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Körper & Geist


Wie Mundfisteln entstehen


Meist sind Fisteln im Mund die Folge einer chronisch entzündeten Zahnwurzel. Wie der Zahnarzt die Eiterherde behandelt:

Der Durchbruch bringt die langersehnte Erleichterung: Mit einem Mal tut es nicht mehr weh im Mund. „Wenn sich ein entzündeter Zahnwurzelabszess den Weg in die Mundhöhle gebahnt hat, entleert sich der Eiter. Deshalb lässt der Schmerz deutlich nach“, erklärt der Kieferchirurg Professor Jörg Wiltfang, Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität Schleswig-Holstein.

Die neue, unnatürliche Verbindung zwischen der Zahnwurzel und der Mundhöhle bezeichnen Ärzte als Fistel. Professor Jürgen Hoffmann, Chef der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universität Heidelberg, wundert sich, wie häufig die Entwicklung noch immer übersehen wird: „Eine Fistel ist stets die Folge einer Entzündung, die über Wochen oder gar Monate anhält. Trotz der starken Schmerzen bleibt oft eine rechtzeitige Behandlung aus.“


Zahnwurzelentzündung ist die Ursache

Es beginnt stets mit einer kränkelnden Zahnwurzel. „Mangelnde Mundhygiene, Rauchen oder ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel wegen einer Zuckerkrankheit, begünstigen das Eindringen von Keimen“, erklärt Kieferchirurg Hoffmann. „Wenn sich diese einnisten, beginnt das Immun­system sie zu bekämpfen. Dann ent­wickelt sich eine Entzündung.“

Die Abwehrreaktion führt nicht zur Heilung, vielmehr bildet sich ein entzündlicher Herd um die Zahnwurzel herum. Er nimmt an Größe zu und zerstört dabei mehr und mehr Knochen. Nach einiger Zeit stirbt die Zahnwurzel ab, und die Beschwerden ändern sich: „Aus bohrenden Schmerzen wird ein unklarer, schlecht zu lokalisierender Schmerz“, beschreibt Wiltfang diese Entwicklung.

Der Schmerz verschwindet schließlich, wenn eine Fistel entsteht und der Abszess sich in die Mundhöhle entleert. Breitet sich die Infektion dagegen in den Rachen aus, besteht sogar Lebensgefahr, warnt Wiltfang: „Der Rachen schwillt zu, der Patient bekommt schließlich keine Luft mehr und droht zu ersticken. Es handelt sich um einen absoluten Notfall.“


Problem: Fistel schmerzt kaum, aber Zerstörung schreitet fort

Die Fistel scheint vordergründig das Problem zu beheben: Es schmerzt nicht mehr, und von der neuen Verbindung ist nicht viel zu sehen. Nur eine kleine Pustel in der Mundschleimhaut markiert die Öffnung, aus der Eiter in die Mundhöhle fließt. Die Betroffenen spüren das, können die Herkunft meist aber nicht genau orten. Doch in der Tiefe schreitet die Zerstörung fort. Wiltfang: „Immer mehr Kieferknochen geht verloren, und im schlimmsten Fall greift die Entzündung auch auf das Knochenmark über.“

Diese Entwicklung lässt sich jederzeit mit einer geeigneten Behandlung stoppen – im Idealfall schon gleich zu Beginn. Hoffmann: „Ein Kältetest gibt Aufschluss darüber, wie funktionstüchtig eine angeschlagene Zahnwurzel ist, und ein Röntgenbild lässt Rückschlüsse auf das Ausmaß der Entzündung zu.“ In der Frühphase reicht es mitunter, den entzündeten Zahnnerv durch eine Wurzelkanalbehandlung zu entfernen. Später ist der Arzt gezwungen, den Zahn zu ziehen, um den Prozess aufzuhalten. Besteht eine Fistel, müssen der Zahn und das entzündete Gewebe im Fis­telgang entfernt werden. „Mit dieser Behandlung heilt eine Fistel normalerweise ab“, erklärt Wiltfang.


Verbindung zur Kieferhöhle kann entstehen

Ein Zahnwurzelabszess im Oberkiefer kann auch andere gesundheitliche Probleme mit sich bringen, denn unmittelbar über dem Oberkiefer befindet sich die Kiefer­höhle. „Der Knochen dazwischen ist relativ dünn“, erläutert Hoffmann. „Wenn eine Zahnwurzel entfernt wird, kann eine Verbindung zwischen Kiefer- und Mund­höhle entstehen.“

Ärzte sprechen dann nicht von einer Fistel, sondern von einer sogenannten Mund-Antrum-Verbindung, sagt der Kieferchirurg. „Aber letztlich handelt es sich um eine Verbindung zwischen zwei Hohlräumen.“ Die Behandlung erfordert eine Operation: Zunächst wird das entzündete Gewebe an der Zahnwurzel und in der Kieferhöhle entfernt. „Erst wenn die Entzündung vollständig ausgeheilt ist, kann der Durchgang mit einem kleinen Stück Schleimhaut verschlossen werden“, erläutert Wiltfang das Vorgehen. „Dafür ist eine zweite Operation nötig.“


Quelle: Dr. Ralph Müller-Gesser | Apotheken Umschau | 10.06.2014